Kapitel 6 Mein Team – Miteinander gehts leichter

Der Schlüssel zu femininer Kraft liegt im Miteinander und im Teilen von Wissen und von Ressource. Dies bedarf der Kultivierung der Beziehungsebene, das „Wir“.

Softwareentwicklung funktioniert am besten in selbstorganisierten, kongenialen Teams. Die Komplexität der Softwaresysteme ist ein Spiegel der globalisierten Unternehmen und der Welt. In diesem Umfeld kann ein Einzelkämpfer nicht viel ausrichten. Teams, die wirklich selbstorganisierend sind, haben eine gut funktionierende Beziehungsebene. Dies ist eine feminine, eine Yin Qualität.

Ich hatte in der letzten Dekade die Gelegenheit, viele brillante Scrum Teams zu beobachten. Scrum ist ein agiles Framework, dass in der Softwareentwicklung bekannt wurde, aber auch in anderen Bereichen als Rahmen für die selbstorganisierte Zusammenarbeit genutzt wird. Scrum Teams brauchen viel Yin Energie um als Team nicht nur zu funktionieren, sondern auch Kreativität und Innovation zu treiben. Der Schlüssel ist Intuition und Gemeinschaft. Da kommt viel Imperfektion auf und Chaos. Wer das kreative Potential schöpfen möchte, wird also auch mit Emotion, Streit und Angst konfrontiert. Um das zu schlichten, brauchen wird das liebevolle Miteinander und die Versöhnung. All dies sind feminine Qualitäten.

Ich habe auch viele Scrum Teams beobachtet, die nur die männlichen Qualitäten integriert hatten. Hier geht es um Struktur und Tun. Zielgerichtet werden vorgegebene Aufgabenlisten abgearbeitet. Alles läuft kontrolliert ab, wie am Fließband. Die Beziehungsebene wird ausgegrenzt. Jeder arbeitet für sich, an seiner Aufgabe um für sich alleine Wertschätzung und Incentives einzustreichen, wie Noten in der Schule. All dies sind Yang Qualitäten. Das Resultat ist, dass Scrum von den Beteiligten als Methode empfunden wird, in der in immer kleineren Sprints das Kontrollnetz enger geschnallt wird. Manche reden dann von „Dark Scrum“. Es ist das Symptom für dominierende Yang Kräfte.

Ein gutes Team hält die Synergie aus maskulinen und femininen Qualitäten. Ein gut definiertes Produkt mit klar sortierten Anforderungen und Zielen trifft dann auf ein Team, dass bei der Umsetzung sein kreatives Chaos leben kann.

Auch wenn Frauen meiner Generation sich in der Arbeitswelt behauptet und die maskulinen Prinzipien verinnerlicht haben, beobachte ich immer wieder, dass Frauen gemeinsam stärker sind und einander mehr brauchen, als Männer. Gefühle von Einsamkeit und Isolation werden häufiger von Frauen geäußert. Etwas miteinander erledigen und kongenial Arbeiten, das liegt in der Natur von Frauen. Ich will damit nicht sagen, dass Männer das nicht können und wollen. Für Frauen ist es ein wichtiges Bedürfnis. Die Beziehungsebene, bei der es um Bezogenheit und Verbindung geht, ist ein Sehnsuchtsfaktor.

Wie können Frauen diesen Kraftplatz aus Unterstützung und Co-Kreativität für sich erschaffen? Sie haben viele schlechte Erfahrungen hinter sich, mit Gefühlen von ausgenutzt und missbraucht sein. Auf unserem Weg zu Unabhängigkeit und Selbständigkeit lernten wir die Schatten kennen, aus Einsamkeit, Verrat und Isolierung. Um uns mit anderen zu verbünden, um gemeinsam stärker zu sein, ist es notwendig zuerst einmal zurück zu finden zu dem Eigenen, den eigenen Wünschen und Bedürfnissen. Im zweiten Schritt sind wir in der Lage gleichzeitig bei uns selbst zu bleiben UND Empathie mit dem Gegenüber zu behalten. So können wir unsere Einzigartigkeit behalten und mit der Gruppe co-kreativ etwas neues gemeinsam schaffen.

Die Autonomie der Einzelperson ist eine große Errungenschaft der Moderne. In früheren westlichen Kulturen und auch heute noch in vielen indigenen Völkern ist die individuelle Abgrenzung nicht erwünscht und die Zugehörigkeit wird damit bedroht. Deshalb reagieren viele Menschen in unserem Kulturkreis allergisch auf Wissen teilen und Miteinander etwas entwickeln. Wissen ist Macht und wird gehütet. Spezialistentum sichert die Stellung. Der Schritt in selbstorganisierte Teams, wo die Summe größer ist, als die einzelnen Teile, sowohl emotional als auch mental, führt über die Fähigkeit, ein Unikat in einem Ganzen zu sein, ähnlich wie in einem Orchester, dass eine Symphonie spielt. Die Fähigkeit gleichzeitig die eigene Grenze im Blick zu haben und mit der Gruppe zu etwas größerem in Synergie zu kooperieren ist eine Fertigkeit, die trainiert werden muss. Es geht darum bei sich zu sein, gleichzeitig die anderen empatisch aufzunehmen und den Abstand zwischen einander zu respektieren und zu mitigieren.

Feminine Energie ist wichtig für das Digitalzeitalter. Frauen sehnen sich danach, ihre weibliche Seite zu leben.

Frauen sollten sich mit anderen Frauen zusammenschliessen, die ihren femininen Beitrag in Zeiten leisten möchten, in der die Welt sich im Umbruch befindet und wir die Tools des digitalen Zeitalters brauchen, um uns zu vernetzen und ein neues Miteinander zu finden. Dazu brauchen wir die Geschenke der femininen Kraft.